Feb 10, 2010

BAROCKSCHOCK IN DER NEUEN NATIONALGALERIE

Pressebild-Nationalgalerie

Der in Meran und New York lebende Künstler Rudolf Stingel zählt zu den großen Figuren in der Kunst der Gegenwart – mit bislang wenigen Auftritten in Deutschland. Die Nationalgalerie hat den Maler und Installationskünstler deshalb eingeladen, für die Obere Halle der Neuen Nationalgalerie eine Installation zu entwerfen. Das Ergebnis heißt „Rudolf Stingel. LIVE“ und basiert auf einer kühnen künstlerischen Setzung: anstelle von Purismus und Strenge beherrschen starke grafische, orientalische Muster die Halle. Rudolf Stingel hat den quadratisch angelegten Granitboden des Museums vollständig mit einem eigens gefertigten Perserteppich überdeckt. Die Farben des historischen Teppichs hat der Künstler dabei in ein malerisches Grisaille übersetzt, die Motive des Teppichs digital so vergrößert und so vervielfältigt, dass sie die ebene Fläche der Halle wie ein gestisches „All-over“ überziehen.

Der Effekt könnte ironisch-provokanter kaum sein: der so radikale, modern gehaltene Tempel, erbaut von Mies van der Rohe, wird von Rudolf Stingel zurückgebunden in eine bürgerliche Salonkultur, in der Perserteppiche und allerlei andere Orientalia verbreitet sind und dort bis heute, wie der Künstler selbst hervorhebt, „für eine wohldosierte Sehnsucht nach dem Anderen“ stehen. Zugleich verbinden sich die moderne Architektur und der künstlerische Eingriff durch das Motiv der Entgrenzung: das serielle, schier endlos fortsetzbare Teppichmuster wird die grandiose Offenheit des Gebäudes nochmals steigern.

Parallel dazu werden im Untergeschoss des Museums vier neue monumentale Gemälde des Künstlers vorgestellt, bei denen ebenfalls Weite und Unbegrenztheit des Raumes im Mittelpunkt stehen. via neue-nationalgalerie.de

Rudolf Stingel. Live

Neue Nationalgalerie

Potsdamer Straße 50

10785 Berlin

Mi 10. Februar – Mo 24. Mai 2010

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